Bitte warten...

Die parallele Installation von
Linux und Windows auf einem PC (Dualboot)

(Distribution: Linux Mint Cinnamon)

Übersicht
1 Datensicherung
2 Linux ISO-Abbild besorgen
3 Prüfsumme mit dem Download vergleichen
4 USB-Installationsmedium erstellen
5 Festplatte vorbereiten
6 Linux testen
7 Festplatte partitionieren
8 Windows installieren
9 Linux installieren
10 Abschluss
Eigene Dateien von Windows-Partition permanent einbinden

Die Installation einer Linux-Distribution wie z. B. Linux Mint ist nicht aufwendiger als die Installation von Windows: Sicherungskopien der persönlichen Dateien anfertigen, Festplatte vorbereiten, neues Betriebssystem installieren und konfigurieren, Software installieren, persönliche Dateien wieder auf die Festplatte kopieren. Fertig.

In vielen Fällen werden Umsteiger gerne ihr altes Betriebssystem zunächst ebenfalls nutzen wollen, sei es, um bei eventuell auftretenden Schwierigkeiten mit gewohnten Werkzeugen arbeiten zu können, oder weil bestimmte Programme nur für die alte Plattform zur Verfügung stehen. Wer also mehr als ein Betriebssystem nutzen möchte (Stichwort: Multi-Boot-System), wird in der Regel seine Festplatte partitionieren müssen; ein Vorgang, der nicht unbedingt zum Grundwissen eines normalen Anwenders gehört. Daher soll hier detailliert beschrieben werden, wie man seinen Rechner für die Installation mehrerer Betriebssysteme vorbereiten kann.

Die Aufteilung der Festplatte richtet sich natürlich nach den individuellen Notwendigkeiten und Vorlieben des Benutzers, daher beschreibt diese Anleitung hier nur eine von vielen Möglichkeiten. In dem hier beschriebenen Fall wird die vorhandene Windows-Partition verkleinert und eine neue Partition für Linux eingerichtet. Wer seine Festplatte anders aufteilen möchte, kann auch weitere Partitionen einrichten oder z. B. für eine Partition eine andere Größe wählen.

Bei dem hier beschriebenen Verfahren wird davon ausgegangen, dass die Festplatte des Benutzers entsprechend der Standardinstallation von Windows 8 partitioniert ist. Die Installation neben Windows 10 sollte aber ähnlich funktionieren.

Informationen, die alternative Vorgänge betreffen, die nicht in einer Windows-, sondern in einer Linux-Umgebung durchgeführt werden, sind farblich dunkel hinterlegt.

Eine offizielle Installationsanleitung findet man auch bei readthedocs.io.

Warum Linux Mint?

Für Neulinge in der Linux-Welt macht die nahezu unüberschaubare Auswahl an Distributionen die Entscheidung nicht unbedingt einfach. Ich hatte meinen Einstieg in die Linux-Welt im Jahr 2006 mit Ubuntu, dessen Verdienst damals wohl vor allem darin bestand, eine der wenigen Distributionen gewesen zu sein, die auch für die breite Masse verwendbar war. Dadurch konnte eine sehr starke Nutzergemeinschaft entstehen, die ihrerseits dazu beigetragen hat, dass Ubuntu noch stabiler und attraktiver wurde. Leider hat es dann 2011 mit der Einführung des Unity-Desktops bei Ubuntu einen Kurswechsel in Richtung Tablets und Smartphones gegeben. Diese Neuausrichtung ging mit der Entfernung von Komponenten einher, die für ›Normalanwender‹ als zu kompliziert angesehen wurden, wodurch Ubuntu als PC-Betriebssystem für anspruchsvollere Arbeiten für mich inzwischen nicht mehr akzeptabel geworden war. In eine ähnliche Richtung hat sich in dieser Zeit auch die bislang von Ubuntu verwendete Desktop-Umgebung Gnome entwickelt, wodurch auch andere Distributionen, die auf Gnome setzten, für mich als Alternative nicht mehr infrage kamen. Ubuntu ist dann leider auch aus Datenschutzperspektive in die Kritik geraten (s. Wikipedia). Mittlerweile hat sich Ubuntu zwar von Unity wieder verabschiedet, was für mich aber keinen Grund darstellt, wieder zu wechseln.

Ich habe mich dann für Linux Mint entschieden, da diese Distribution praktisch das Konzept von Ubuntu vor 2011 fortsetzt. Die Umstellung war daher nicht sonderlich groß. Ich schätze an Linux Mint vor allem folgende Eigenschaften:

  • das Betriebssystem ist Freie Software (mit wenigen Ausnahmen)
  • es verwendet Ubuntu, das auf Debian beruht, als Codebasis
  • APT als Paketmanager
  • Cinnamon als Desktop-Umgebung
  • kein Nischenprodukt, profitiert von der großen Entwickler- und Nutzergemeinde von Debian und Ubuntu

Was braucht man für die Installation?

Logo: Linux MintBevor man sich an die Installation macht, benötigt man folgende Hilfsmittel:

  • Linux Mint ISO-Abbild-Datei
  • Programm für die Überprüfung von SHA-256-Prüfsummen
  • USB-Speichermedium mit mind. 2 GB Kapazität oder alternativ DVD-Brenner und Brennprogramm
  • Massenspeicher für die Datensicherung (z. B. externe Festplatte)

Schritt 1: Datensicherung

Da bei der Partitionierung/Formatierung der Festplatte alle bisherigen Daten verloren gehen, müssen die persönlichen Dateien zunächst gesichert werden. Dazu bietet sich eine zweite (z. B. externe) Festplatte an. Die Datensicherung auf CD/DVD oder USB-Stick ist zwar auch möglich, jedoch verfügen diese Medien in der Regel nicht über ausreichend Speicherkapazität für die zu sichernde Datenmenge. Achtung: Gerne werden bei einem Backup die Lesezeichen des Webbrowsers sowie das Adressbuch des E-Mail-Programms vergessen.

Auch andere Programme können die Möglichkeit anbieten, persönliche Einstellungen in eine Datei zu exportieren, die man nach neuer Installation der Anwendung wieder importieren kann. Bei Programmen, für die sowohl Linux- wie auch Windows-Versionen existieren (z. B. Mozilla Firefox und Thunderbird), ist es in der Regel möglich, die persönlichen Einstellungen der Windows-Programme so später auch unter Linux zu verwenden.

Schritt 2: Linux ISO-Abbild besorgen

Für Linux Mint werden verschiedene Ausgaben angeboten, die sich in einer Reihe von Merkmalen unterscheiden. Vor dem Download der entsprechenden Image-Datei muss man daher zunächst entscheiden, welche Ausgabe den eigenen Erfordernissen am ehesten entspricht.

• Linux Mint oder LMDE?
Die „normale“ Standard-Edition von Linux Mint basiert auf der jeweils aktuellen Ubuntu-Veröffentlichung mit Langzeitunterstützung (LTS = long term support, derzeit 20.04 Focal Fossa). Ubuntu basiert seinerseits auf Debian. Bei der Standard-Edition kann man zwischen drei verschiedenen Desktop-Umgebungen wählen und Personal Package Archives (PPA) von Ubuntu werden unterstützt. Seit Version 20 werden nur noch 64-Bit-Prozessoren unterstützt.
Für den Fall, dass Ubuntu als Basis eines Tages nicht mehr zur Verfügung stehen sollte, wird parallel das Projekt LMDE (Linux Mint Debian Edition) gepflegt, dass direkt auf Debian basiert und daher keine Ubuntu-Quellen verwendet. LMDE steht nur in der Cinnamon-Variante zur Verfügung und unterstützt keine PPAs. Manche Anwender berichten allerdings, dass LMDE schneller laufen soll als die Standard-Edition. LMDE unterstützt neben 64-Bit-Prozessoren auch ältere 32-Bit-Prozessoren.

Die Unterschiede zwischen Linux Mint und LMDE im Überblick:

Linux MintLMDE
BasisUbuntuDebian
Desktop: Cinnamon
Desktop: Mate
Desktop: Xfce
CPU: 64 Bit
CPU: 32 Bit
PPAs

• Welche Desktop-Umgebung?
Linux Mint wird mit drei verschiedenen Desktop-Umgebung angeboten, nämlich Cinnamon (Fork der Gnome Shell), Mate (Fork von Gnome 2) sowie Xfce. Andere Desktop-Umgebungen können aber auch nachträglich installiert werden. Für LMDE existiert lediglich eine Cinnamon-Ausgabe. Compiz Desktop-Effekte werden von Cinnamon nicht unterstützt.

Linux Mint sowie LMDE stellen folgende Mindestanforderungen an die verwendete Hardware:

  • 1 GB RAM (2 GB empfohlen)
  • 15 GB Festplattenspeicher (20 GB empfohlen)
  • 1024×768 Pixel Bildschirmauflösung

Die Image-Datei, d. h. das Abbild des Installationsmediums in einer einzigen ISO-Datei, erhält man kostenlos z. B. über die Website linuxmint.com. Das Image ist ca. 2,0 GB groß, weshalb der Download durchaus eine Weile dauern kann. Auf der angegebenen Seite kann man nun die gewünschte Version auswählen und dann das Image herunterladen. Die verschiedenen Versionen kann man auch direkt hier herunterladen:


(Basis: Ubuntu 20.04 LTS Focal Fossa)
Veröffentlicht am 24. Juni 2020
Updates bis April 2025
Architektur:   Desktop-Umgebung:



SHA-256-Prüfsumme (Quellen: Ulyana Debbie):

(Basis: Debian 10 Buster = stable)
Veröffentlicht am 20. März 2020

Wer Linux Mint unterstützen möchte, findet hier eine Möglichkeit, dem Projekt eine Spende zukommen zu lassen.

Schritt 3: Prüfsumme mit dem Download vergleichen

Nun kann man die SHA-256-Prüfsumme mit dem Download vergleichen, um die Integrität des ISO-Abbildes zu prüfen. Dazu benötigt man ein Programm, mit dem die Prüfsumme der Image-Datei ermittelt werden kann. Linux verfügt dazu über das vorinstallierte Programm sha256sum. Für Windows kann man das kleine Freeware-Programm sha256sum.exe kostenlos auf der Website des Anbieters labtestproject.com herunterladen. Der folgende Link verweist direkt auf die Datei:

sha256sum.exe

Siehe auch: docs.fedoraproject.org

Um die Prüfsumme zu ermitteln, muss sich das Programm sha256sum.exe in dem gleichen Ordner wie das heruntergeladene ISO-Abbild befinden, in diesem Fall im Ordner Downloads. Dann begibt man sich durch Drücken der -Taste zum Startbildschirm von Windows 8 und wählt mit einem Rechtsklick auf den Bildschirm die Option ›Alle Apps‹. Dort wählt man in der Kategorie ›Windows-System‹ die Option ›Eingabeaufforderung‹. Dort wechselt man als erstes in den Download-Ordner:

cd Downloads

Dann startet man das Programm sha256sum.exe unter Angabe der Image-Datei. Zum Beispiel:

sha256sum.exe linuxmint--cinnamon-64bit.iso

Nach einer kurzen Weile wird die Prüfsumme der Image-Datei angezeigt, die man nun mit dem bereits bekannten Wert vergleicht. Sind die Werte identisch, kann man mit dem nächsten Schritt fortfahren, ansonsten ist der Download fehlerhaft und muss wiederholt werden.

Sicherer Download unter Linux

Unter Linux kann der Download einfach über das Terminal abgewickelt werden. Da hier nicht nur die Prüfsumme der Dateien, sondern auch die digitale Signatur mit Hilfe des öffentlichen Schlüssels von Linux Mint geprüft wird, kann auf diese Weise zusätzlich sichergestellt werden, dass die heruntergeladenen Dateien wirklich aus der gewünschten Quelle stammen und nicht unterwegs manipuliert wurden. Dazu wählt man zunächst einen Spiegelserver, auf dem die ISO-Abbilder der Live-Systeme verfügbar sind. Eine Liste mit den Spiegelservern findet man bei linuxmint.com. Ein solcher Spiegelserver ist beispielsweise:

https://ftp5.gwdg.de/pub/linux/debian/mint/

Dort lädt man sich zunächst die Liste mit den SHA-256 Prüfsummen sowie die digitale Signatur dieser Datei herunter:

wget https://ftp5.gwdg.de/pub/linux/debian/mint/stable//sha256sum.txt
wget https://ftp5.gwdg.de/pub/linux/debian/mint/stable//sha256sum.txt.gpg

Um die Signatur prüfen zu können, wird noch der öffentliche Schlüssel benötigt (hier: Linux Mint ISO Signing Key):

gpg --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv-key "27DE B156 44C6 B3CF 3BD7 D291 300F 846B A25B AE09"

Nun kann die Prüfsummendatei selbst geprüft werden:

gpg --verify sha256sum.txt.gpg sha256sum.txt

Die Ausgabe sollte folgendermaßen aussehen, wenn die Prüfsummendatei eine korrekte Signatur aufweist. Die Warnung besagt lediglich, dass der Fingerabdruck des öffentlichen Schlüssels nicht verifiziert wurde (s. hier).

Code auswählen
1
2
3
4
5
6
gpg: Signatur vom Do 25 Jun 2020 11:57:17 CEST
gpg:                mittels RSA-Schlüssel 27DEB15644C6B3CF3BD7D291300F846BA25BAE09
gpg: Korrekte Signatur von "Linux Mint ISO Signing Key <root@linuxmint.com>" [unbekannt]
gpg: WARNUNG: Dieser Schlüssel trägt keine vertrauenswürdige Signatur!
gpg:          Es gibt keinen Hinweis, daß die Signatur wirklich dem vorgeblichen Besitzer gehört.
Haupt-Fingerabdruck  = 27DE B156 44C6 B3CF 3BD7  D291 300F 846B A25B AE09

Als nächstes lädt man sich das ISO-Abbild herunter (hier: Linux Mint 64 Bit Cinnamon):

wget https://ftp5.gwdg.de/pub/linux/debian/mint/stable//linuxmint--cinnamon-64bit.iso

Dann ermittelt man die Prüfsumme der heruntergeladenen Datei:

sha256sum linuxmint--cinnamon-64bit.iso

Schließlich vergleicht man das Ergebnis mit der Angabe in der Prüfsummendatei (hier mit dem Texteditor Xed):

xed sha256sum.txt

Schritt 4: USB-Installationsmedium erstellen

Sollte der Zielrechner das Booten von USB-Stick nicht unterstützen (siehe entsprechende Option im BIOS), kann man das ISO-Abbild auch auf DVD brennen und von diesem Medium installieren.

Das ISO-Abbild für die Installation kann nun mit Hilfe des Tools UNetbootin auf einen USB-Stick kopiert werden. UNetbootin bietet auch die Möglichkeit, andere Distributionen automatisch herunterzuladen, sofern das Programm eine Quelle dafür kennt, diese Quellen sind aber nicht immer brandaktuell.Screenshot: UNetbootin Nach dem Start des Programms markiert man die Option ›Abbild‹ und wählt dann das zuvor heruntergeladene ISO-Abbild (hier: linuxmint--cinnamon-64bit.iso) aus. Nach Klick auf OK werden die Daten nun auf den USB-Stick geschrieben. Bei besonders großen Dateien (wie beispielsweise bei filesystem.squashfs) kann es beim Extrahieren zu erheblichen Zeitverzögerungen kommen, wodurch der Kopiervorgang mehrere Minuten dauern kann, was aber normal ist.

Wenn man das neue Betriebssystem nicht gerade sofort nach Erstellen des Installations-Sticks auf den gegenwärtig verwendeten Rechner installieren will, kann man am Ende des Vorgangs auf Jetzt neustarten verzichten und das Programm mit Beenden beenden.

Jetzt hat man einen fertigen Linux-Installations-Stick. Übrigens lässt sich Linux Mint von diesem Stick bereits jetzt ohne Installation auf dem Rechner als Live-System starten.

Unter Linux Mint kann man sich das Programm über das Terminal aus einem PPA installieren (was aber nicht nötig ist, da es dort ein eigenes Werkzeug für diesen Zweck gibt):

sudo add-apt-repository ppa:gezakovacs/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install unetbootin unetbootin-translations extlinux

Installation per apturl symbol: question

Anschließend lässt sich das Programm über ► Systemverwaltung ► UNetbootin starten.

Installationsmedium unter Linux Mint erstellen

Unter Linux Mint öffnet man das Programm ► Zubehör ► USB-Abbilderstellung und wählt durch Klick auf den Button rechts neben Abbild schreiben: die zuvor heruntergeladene Image-Datei aus.Screenshot: USB-Abbilderstellung Rechts daneben wählt man das gewünschte USB-Medium aus.

Nach einem Klick auf Schreiben wird das Image auf das Medium geschrieben, was einige Minuten dauern kann.

Schritt 5: Festplatte vorbereiten

Vermutlich wird man die Windows-Partition verkleinern müssen, um Platz für die Linux-Installation zu schaffen. Dafür ist es sinnvoll, die Windows-Partition zunächst zu defragmentieren. Dazu bewegt man unter Windows 8 den Mauszeiger in die rechte obere Ecke des Bildschirms, wählt in dem erscheinenden Menü das Lupen-Symbol, wählt dort den Menüpunkt ›Einstellungen‹ und gibt in das Suchfeld den Begriff defrag ein. In der Ergebnisliste auf der linken Seite wählt man dann ›Laufwerke defragmentieren und optimieren‹. In dem gestarteten Programm wählt man dann das zu defragmentierende Laufwerk aus der Liste aus und klickt dann auf ›Optimieren‹. Bei stark fragmentierten Laufwerken kann dieser Vorgang eine ganze Weile dauern.

Um sicherzustellen, dass die Festplatte nicht beschädigt ist (was unter Umständen dazu führen kann, dass sie nicht partitioniert werden kann), führt man unter Windows 8 zunächst folgende Prozedur durch (vorausgesetzt, es handelt sich nicht um einen manifesten physikalischen Schaden).

Dazu begibt man sich durch Drücken der -Taste zum Startbildschirm von Windows 8 und wählt mit einem Rechtsklick auf den Bildschirm die Option ›Alle Apps‹. Dort klickt man in der Kategorie ›Windows-System‹ mit rechts auf die Option ›Eingabeaufforderung‹ und wählt dann ›Als Admin ausführen‹. In der Eingabeaufforderung gibt man dann folgenden Befehl ein:

chkdsk C: /scan (den Laufwerksbuchstaben C: evtl. anpassen)

Nachdem der Scan durchgelaufen ist, gibt man folgenden Befehl ein:

chkdsk C: /spotfix (den Laufwerksbuchstaben C: evtl. anpassen)

Die Frage nach der Volumenüberprüfung beim nächsten Systemstart wird bejaht. Wird der Rechner dann neu gestartet, werden eventuell gefundene Fehler automatisch repariert.

Quelle: makeuseof.com

Schritt 6: Linux testen

Die Sprache des Live-Systems ist Englisch. Lediglich der Installationsvorgang kann auf Deutsch abgewickelt werden. Nach der Installation können das Betriebssystem und nahezu alle Programme in deutscher Sprache verwendet werden.

Man kann Linux Mint nun bereits testen, indem man den Rechner vom USB-Stick aus bootet. Dazu muss im UEFI bzw. BIOS das Booten von einem USB-Medium aktiviert sein. Meist wird am Anfang des Bootvorgangs auch eine Taste angeboten, über die die Bootreihenfolge direkt gewählt werden kann, ohne im UEFI bzw. BIOS eine Änderung vornehmen zu müssen.

Zu Beginn des Bootvorgangs erscheint die Meldung ›Automatic boot in 10 seconds…‹. Innerhalb dieser 10 Sekunden kann man durch Drücken einer beliebigen Taste das Bootmenü aufrufen, in dem verschiedene Optionen angeboten werden. Hier sollte man bei der ersten Verwendung des Sticks die Option Integrity check wählen, um sicherzustellen, dass der Stick fehlerfrei erstellt wurde. Sollten hier Fehler gefunden werden, muss der Kopiervorgang wiederholt werden, gegebenenfalls mit einem anderen Stick.

Werden keine Fehler gefunden, kann man normal booten (was beim Booten von DVD allerdings ca. 10 Minuten dauert). Es wird der Desktop geladen, über den man nun die mitgelieferten Standardanwendungen und ein paar Beispieldateien ausprobieren kann. Über den Desktop könnte man nun auch das Betriebssystem auf den eigenen Rechner installieren, allerdings fehlen noch ein paar Vorbereitungen.

Vermutlich ist es nötig, zunächst das Tastaturlayout anzupassen. Dazu ruft man über ► Preferences ► Keyboard die Regionaleinstellungen auf. Durch Wählen des Tabs ›Layouts‹ sowie einen Klick auf den Button + kann man nun ein neues Layout hinzufügen. Hier wählt man beispielsweise ›German‹ und bestätigt mit Klick auf Add. Im Tray am unteren rechten Bildschirmrand erscheint das Flaggensymbol für die englische Spracheinstellung. Durch Klick auf dieses Symbol kann die Einstellung jetzt auf Deutsch geändert werden.

Ist man mit dem Test zufrieden, kann es losgehen.

Schritt 7: Festplatte partitionieren

Vor diesem Schritt sollte die Sicherung der eigenen Dateien unbedingt abgeschlossen sein, da bei dem nun folgenden Vorgang alle Daten gelöscht werden (es sei denn, man behält eine Partition bei)!

Was den Datenaustausch zwischen den einzelnen Partitionen anbelangt, so sollte man beachten, dass Windows-Partitionen von Linux aus sowohl gelesen als auch beschrieben werden können, Linux-Partitionen hingegen von Windows aus nicht ohne weiteres. Daher sollte man Daten, die man unter beiden Systemen gemeinsam verwenden möchte, auf der Windows-Partition speichern. Siehe dazu auch UbuntuUsers-Wiki.

Übrigens: Da man die Partitionierung von dem Live-System aus vornimmt, kann man bei bestehender Internet-Verbindung gleichzeitig diese Anleitung hier lesen!

Jetzt muss man die Festplatte partitionieren. Auf dem Live-System befindet sich dazu das Partitionierungs-Programm GParted. Um dieses Programm zu starten, klickt man im Panel unten links auf den -Button und wählt Administration ► GParted.

Wenn bislang nur Windows 8 in der Standardinstallation vorhanden war, sollte die Oberfläche zunächst ungefähr so aussehen:Screenshot: gparted

In der Übersicht sind in diesem Beispiel neben einem nicht zugeordneten Bereich (›unallocated‹) zwei Partitionen zu sehen, die gemeinsam nahezu die gesamte Festplatte belegen. Bei diesen beiden Partitionen handelt es sich um die System- und die Startpartition von Windows 8 (s. microsoft.com). Die Startpartition (sda2) ist zu einem großen Teil ungenutzt und dieser freie Speicherplatz kann daher der Linux-Installation zur Verfügung gestellt werden, indem man diese Partition verkleinert. Dazu markiert man die Partition und wählt dann im Menü Partition ► Resize/Move.Screenshot: gparted Es muss hier lediglich die neue Größe (new size) dieser Partition angegeben werden, die mindestens den Wert des bereits belegten Speicherplatzes betragen muss. In diesem Beispiel sind das 15000 MiB. Die Größen der angrenzenden Bereiche werden automatisch berechnet. Wen die Einheiten MiB und GiB verwirren, der erfährt bei Wikipedia mehr.

Anschließend richtet man die Partitionen für die Linux-Installation ein. Dazu klickt man erst auf den zu partitionierenden, nicht zugeteilten Bereich und wählt im Menü Partition ► New. Daraufhin öffnet sich ein Dialog, in dem man jeweils die folgenden Werte eingibt (oder andere Werte nach den persönlichen Vorlieben).Screenshot: gparted

Partition Create as Label File system New size
/dev/sda3 Extended Partition linux (restl. Platte)
/dev/sda5 Logical Partition mint ext4 20000 MiB
/dev/sda6 Logical Partition home ext4 (restl. Platte)

Falls man später Anwendungen im Flatpak-Format installieren möchte, empfiehlt es sich, die Root-Partition (hier: mint) um 5 bis 10 GB größer einzurichten.

Wird UEFI vom Rechner unterstützt und möchte man diese Funktion nutzen, muss eine EFI-Systempartition vorhanden sein oder hier angelegt werden. Diese Funktion ist optional und für die Installation von Linux Mint nicht zwingend notwendig.

Für die UEFI-Unterstützung richtet man eine weitere primäre Partition mit dem Dateisystem FAT32 und einer Größe von 512 MiB ein. Unter Umständen muss man dazu eine der vorhandenen Partitionen davor zunächst entsprechend verkleinern. Weitere Informationen dazu: archlinux.org.

Bei dieser Aufteilung wird Linux Mint in die Root-Partition mint installiert. Die eigenen Dateien werden später auf der Partition home gespeichert. Diese Aufteilung hat den Vorteil, dass die home-Partition nicht überschrieben werden muss, falls das Betriebssystem auf der mint-Partition neu installiert werden sollte. Die eigenen Dateien sind in diesem Fall also geschützt. Der zugewiesene Dateiname der Partitionen (sda3 etc.) kann von dem Beispiel abweichen.

Die Angaben bestätigt man durch Klick auf Add. In der Übersicht wird dann die neu zu erstellende Partition angezeigt. Sind alle Partitionen vorbereitet, sollte die Übersicht ungefähr so aussehen:Screenshot: gparted In dieser Übersicht kann man nun sehr gut sehen, wofür die einzelnen Partitionen verwendet werden. Es existieren nach wie vor die beiden NTFS-Partitionen von Windows 8. In der erweiterten Partition linux sind die beiden Partitionen mint und home für die Linux-Installation enthalten.

Den eigentlichen Partitionierungsvorgang startet man dann über die Option Edit ► Apply All Operations. Hat man eine EFI-Systempartition erstellt, markiert man anschließend diese Partition in der Liste, wählt Partition ► Manage flags und setzt dort das Häkchen für das esp-Flag.

Anschließend kann man GParted beenden, das Live-System wieder herunterfahren und die Installation der Betriebssysteme beginnen.

Weitere Informationen zur Partitionierung: UbuntuUsers-Wiki

Schritt 8: Windows installieren

Befindet sich auf der Festplatte bereits eine Windows-Installation, die man bewahren möchte, so kann dieser Schritt übersprungen werden.

Um nach der Installation der Betriebssysteme beim Hochfahren des Rechners einen Bootloader (GRUB 2) zur Verfügung zu haben, der es ermöglicht, zwischen beiden Systemen auswählen zu können, muss man Windows unbedingt vor Linux installieren, da Windows im umgekehrten Fall die Linux-Installation einfach ignorieren und den Bootloader überschreiben würde und man so den Zugang zu der Linux-Installation verliert.

Für die Windows-Installation wählt man als Ziel die erste Partition (Laufwerk C:) mit dem Dateisystem NTFS.

Schritt 9: Linux installieren

Um vom USB-Medium zu booten ist es ratsam, bei Start des Rechners die Boot-Optionen aufzurufen und dort das USB-Medium auszuwählen. Wird UEFI vom Rechner unterstützt, sollte es unter den Boot-Optionen die Auswahl zwischen dem Booten mit und ohne UEFI geben. Möchte man UEFI nutzen, muss man das Boot-Medium hier mit UEFI booten.

Nun bootet man wieder das Live-System auf dem USB-Stick. Nachdem man auch diesmal das Tastaturlayout ausgewählt hat, kann man unter ► Preferences ► Screensaver ► Settings ► Screensaver Settings ► Delay before starting the screensaver den Wert Never auswählen und damit das Starten des Bildschirmschoners während der Installation abstellen.

Auf dem Desktop befindet sich ein Icon mit der Bezeichnung Install Linux Mint. Durch Doppelklick auf dieses Icon wird die eigentliche Installation von Linux Mint auf die Festplatte gestartet. Es öffnet sich das Installationsprogramm mit einer Reihe von Dialogen, in denen diverse Angaben abgefragt werden:Screenshot: Linux Mint Installer 0 Zunächst bestätigt man die gewünschte Sprache der Installation und klickt auf Weiter.Screenshot: Linux Mint Installer 6 In diesem Dialog kann man das Tastaturlayout einstellen. Dialog bestätigen mit Klick auf Weiter.Screenshot: Linux Mint Installer 1 An dieser Stelle kann gewählt werden, ob proprietäre Software installiert werden soll. Dialog bestätigen mit Klick auf Weiter. An dieser Stelle werden alle verfügbaren Partitionen für die Installation untersucht, was eine Weile dauern kann.Screenshot: Linux Mint Installer 2 Um die zuvor eingerichteten Partitionen für die Installation zu verwenden, wählt man die Option ›Etwas Anderes‹. Dialog bestätigen mit Klick auf Weiter.Screenshot: Linux Mint Installer 3 Hier werden alle Partitionen angezeigt. An dieser Stelle müssen nun die so genannten Einhängepunkte der Partitionen festgelegt werden. Dazu bearbeitet man nacheinander all die Partitionen, die man für die Installation benötigt: Die Partition in der Liste markieren und auf Ändern … klicken, wodurch sich ein weiterer Dialog öffnet:Screenshot: Linux Mint Installer 4 Dort wählt man nun unter ›Benutzen als:‹ das gewünschte Dateisystem, wie es bereits bei der Partitionierung gewählt wurde. Partitionen, auf denen sich Daten befinden, die man bewahren möchte, dürfen nicht formatiert werden. Als Einhängepunkt (Einbindungspunkt) gibt man nun das entsprechende Verzeichnis an (s. folgende Tabelle). Einhängepunkte können auch nach der Installation noch ergänzt oder geändert werden (s. UbunutuUsers-Wiki).

Partition Benutzen als Einhängepunkt
/dev/sda5 Ext4-Journaling-Dateisystem /
/dev/sda6 Ext4-Journaling-Dateisystem /home
/dev/sda? (nur bei Verwendung von UEFI) EFI-System-Partition

Als Zielort für die Installation des Bootloaders GRUB2 sollte im Normalfall das voreingestellte Gerät gewählt werden (z. B. /dev/sda).

Sind alle nötigen Partitionen zugewiesen, Dialog bestätigen mit Klick auf Jetzt installieren.Screenshot: Linux Mint Installer 5 Als nächstes wählt man die Zeitzone für die Zeit- und Datumseinstellungen der Installation. Dialog bestätigen mit Klick auf Weiter.Screenshot: Linux Mint Installer 7 In diesem Dialog wird man unter anderem nach dem gewünschten Benutzernamen und dem Passwort gefragt. Diese Daten sollte man sich gut merken (wenn man sie aus Sicherheitsgründen nicht notieren will), da man über sie nach der Installation überhaupt erst den Zugang zum System bekommt. Außerdem werden diese Daten bei einer Reihe von administrativen Vorgängen benötigt.

Durch Klick auf Weiter wird die eigentliche Installation schließlich gestartet, die je nach Leistung des Rechners ca. 20 Minuten dauern kann. Falls man von DVD installiert, sollte man während dieses Vorgangs keine anderen Programme verwenden, da ansonsten der Lesekopf des optischen Laufwerks für das Multitasking permanent hin- und herspringen muss, was ihm auf Dauer möglicherweise nicht gut bekommt. Bei der Installation von einem USB-Medium ist das nicht problematisch.Screenshot: Linux Mint Installer 8 Wenn die Installation abgeschlossen ist, beendet man das Live-System und startet den Rechner ohne den Stick neu. Es erscheint der Bootloader GRUB, über den man nun das Betriebssystem auswählen kann.

Damit wäre die Installation abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch!

Übrigens: Falls man später ein weiteres Betriebssystem installiert hat und dadurch das GRUB-Menü durcheinander geraten ist, kann man die Reihenfolge wieder korrigieren, indem man von der Haupt-Installation aus folgende Befehle im Terminal ausführt:

sudo update-grub && sudo grub-install /dev/sda

Schritt 10: Abschluss

Als nächstes wird man nun seine alten Dateien wieder zurück auf die Festplatte kopieren, weitere Software installieren und die Feineinstellung des Betriebssystems vornehmen. Was ich selbst als erstes nach einer frischen Mint-Installation vornehme, wird auf der folgenden Seite beschrieben.

Für nach der Installation auftretende Probleme findet man unter Umständen in den Release Notes der aktuellen Ausgabe eine Lösung.


Eigene Dateien von Windows-Partition permanent einbinden

Möchte man von Linux aus dauerhaften Zugriff auf den Ordner Eigene Dateien der Windows-Installation haben, so kann man auf diesen Ordner eine symbolische Verknüpfung (Symlink) anlegen. Dazu muss die Partition der Windows-Installation dauerhaft im Linux-Dateisystem eingebunden (gemountet) sein.

Zunächst öffnet man unter Linux über ► Einstellungen ► Laufwerke die Laufwerksverwaltung.Screenshot: Laufwerke Im linken Bereich der Oberfläche wählt man zunächst die betreffende Festplatte. Im rechten Bereich markiert man dann die Partition der Windows-Installation (hier: Partition 2 /dev/sda2 mit NTFS Dateisystem) und mountet diese durch Klick auf den -Button (sollte der -Button angezeigt werden, ist die Partition bereits eingehängt). Dann klickt man auf den Button mit dem Zahnräder-Symbol und wählt dort Einhängeoptionen bearbeiten ….Screenshot: Einhängeoptionen bearbeiten Hier muss lediglich der Schalter Vorgaben der Benutzersitzung auf AUS geschaltet werden und die Option Beim Systemstart einhängen aktiviert sein. Von Bedeutung ist hier außerdem der Einhängepunkt der Windows-Partition im Dateisystem von Linux (hier: /mnt/FA0CC1A50CC15CEF).

Schließlich legt man im Terminal mit folgendem Befehl die symbolische Verknüpfung zum Ordner Eigene Dateien an (dazu muss die Windows-Partition gemountet sein), wobei der Einhängepunkt sowie die Benutzernamen der Windows- und Linux-Installation anzupassen sind:

ln -s "/mnt/FA0CC1A50CC15CEF/Users/<windowsbenutzer>/Eigene Dateien" "/home/<linuxbenutzer>/Windows-Partition"

Daraufhin findet man im Benutzerordner der Linux-Installation einen Ordner Windows-Partition, über den man nun Zugriff auf den Ordner Eigene Dateien der Windows-Installation besitzt.